Auswandern aus Deutschland: Jeder Fünfte denkt daran | Die Geissens Real Estate | Luxus Immobilien mit Carmen und Robert Geiss – Die Geissens in Dubai
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Koffer im Kopf

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Manchmal beginnt Auswandern nicht mit einem Ticket, sondern mit einem inneren Geräusch: dem leisen Klick, wenn man gedanklich die Tür einen Spalt weit offen lässt. Laut einer aktuellen Umfrage denkt rund jeder fünfte Mensch in Deutschland darüber nach, ins Ausland zu gehen – bei Jüngeren ist der Anteil deutlich höher. Als wichtigste Motive werden vor allem Unzufriedenheit mit der politischen Lage, persönliche Freiheit, wirtschaftliche Perspektiven und die Sehnsucht nach „mehr Lebensqualität“ genannt. Gleichzeitig zeigt die Erhebung: Viele bleiben (noch) – wegen Familie, Sprache, Job oder weil der Schritt größer ist als der Traum.

Es ist Dienstagabend, draußen hängt ein feuchter Wintergeruch in der Luft, und drinnen flimmert auf dem Handy ein Reel aus Portugal: Sonne auf weißen Treppen, ein Espresso in einer Hand, das Meer in der anderen. „So könnte es jeden Tag sein“, sagt jemand am Küchentisch halb im Scherz – aber die Stimme verrät, dass es kein Witz ist. Der Satz bleibt stehen wie ein Koffer, den man mitten im Flur abstellt.

Auswandern. Früher klang das nach großen Abschieden am Bahnhof, nach Tränen und Telegrammen. Heute beginnt es oft klein: mit einem Tab zu viel im Browser. „Jobs Amsterdam“, „Steuern Schweiz“, „Schule Mallorca“, „Krankenversicherung Dänemark“. Und jetzt ist es nicht mehr nur ein Gefühl, das in Gesprächen unter Freunden auftaucht. Es ist messbar.

Ein Gedanke, der größer wird

Eine neue Umfrage zeichnet ein Bild, das gleichzeitig leise und alarmierend ist: Rund jeder Fünfte in Deutschland denkt darüber nach, auszuwandern. Nicht irgendwann vielleicht – sondern als Option, die real auf dem Tisch liegt. Besonders auffällig: Jüngere spielen den Gedanken deutlich häufiger durch als Ältere. Während viele in der Generation ihrer Eltern das Weggehen als Bruch empfinden würden, wirkt es bei vielen unter 30 eher wie ein Projekt: planbar, organisierbar, „wenn’s nicht passt, komme ich zurück“.

Man merkt das in der Art, wie darüber gesprochen wird. Nicht mehr: „Ich halte es nicht aus.“ Sondern: „Ich checke mal meine Möglichkeiten.“ Die Sprache ist pragmatischer geworden. Die Sehnsucht bleibt emotional, aber sie trägt einen Kalender in der Tasche.

Warum die Tür aufgeht

Die Motive sind vielfältig, doch sie reimen sich. Wer über Auswandern nachdenkt, nennt häufig Unzufriedenheit mit der politischen Lage, das Gefühl von Stillstand oder eine wachsende Distanz zwischen Alltag und Entscheidungen „da oben“. Dazu kommt bei vielen die Frage: Was bekomme ich für das, was ich leiste? Löhne, Steuern, Abgaben, Wohnkosten – das alles wird nicht als einzelne Zahl empfunden, sondern als Temperatur im Leben. Und wenn diese Temperatur dauerhaft zu kalt wirkt, sucht man nach Sonne.

„Ich will einfach wieder Luft haben“, sagt eine junge Angestellte, die ihren Namen nicht in die Welt hinausrufen möchte. Luft – damit meint sie nicht nur Natur. Sie meint Spielraum: in der Monatsrechnung, in der Zukunftsplanung, in der eigenen Stimmung. Ein Satz, der in vielen Küchen ähnlich fällt.

Ein weiterer Treiber: die Suche nach Lebensqualität. Das klingt nach Lifestyle, ist aber oft handfest: kürzere Wege, weniger Bürokratie, bezahlbare Mieten, ein Gefühl von Sicherheit oder gesellschaftlicher Ruhe. Manche träumen von Skandinavien, wo der Staat als funktionierende Infrastruktur erlebt wird. Andere von der Schweiz, wo das Gehalt schwerer wiegt. Wieder andere von Südeuropa, wo das Leben sich „mehr nach Leben“ anfühlt – selbst wenn das Konto nicht größer wird.

Die junge Unruhe

Dass die Auswanderungsfantasie besonders bei Jüngeren hoch ist, überrascht nicht, wenn man ihnen zuhört. Viele starten mit befristeten Verträgen, hohen Einstiegsmieten, einem Wohnungsmarkt, der sich wie ein Casting anfühlt. Man schickt Bewerbungen an Vermieter, legt Gehaltsnachweise auf den Tisch wie Ausweise und wartet auf Rückmeldung – oft vergeblich.

„Ich habe das Gefühl, ich bewerbe mich um mein eigenes Leben“, sagt ein Student, der bald ins Berufsleben wechselt. Seine Freundin nickt und scrollt durch eine Liste von Städten, die wie Versprechen klingen: Kopenhagen, Wien, Zürich, Barcelona. Das Gespräch geht schnell. So schnell wie ein Wisch nach links.

Gleichzeitig ist diese Unruhe nicht nur eine Flucht. Sie ist auch Neugier. Europa ist näher zusammengerückt, digitale Arbeit hat Grenzen weichgezeichnet, Englisch ist für viele ein Alltagstool. Wer heute geht, muss nicht alles hinter sich lassen – Freunde bleiben in der Hosentasche, Videoanrufe ersetzen den Sonntagskuchen. Das macht den Schritt leichter. Und gerade deshalb wird er häufiger gedacht.

Warum viele trotzdem bleiben

Doch der Gedanke ist nicht die Bewegung. Die Umfrage zeigt auch: Viele, die darüber nachdenken, bleiben (erst einmal) hier. Manchmal aus Liebe. Manchmal aus Pflicht. Oft aus Bindung. Eltern werden älter. Kinder gehen zur Schule. Der Freundeskreis ist ein Netz, das trägt. Und dann ist da die Sprache – dieses unsichtbare Zuhause, in dem Humor, Nuancen und Alltagssicherheit wohnen.

„Ich kann auf Englisch arbeiten“, sagt ein IT-Profi, „aber ich will nicht mein ganzes Leben übersetzen.“ Ein Satz, der die Romantik entzaubert. Auswandern ist nicht nur Sonne und neue Cafés. Es ist auch: Behördengänge, neue Regeln, neue Fehler, das Gefühl, immer ein bisschen Gast zu sein.

Hinzu kommt: Viele Menschen sind nicht grundsätzlich gegen Deutschland. Sie sind müde. Müde vom Gefühl, dass sich vieles gleichzeitig verteuert, verkompliziert und verhärtet. Der Auswanderungsgedanke wird dann zu einem mentalen Ventil. Nicht jeder, der den Koffer im Kopf packt, geht wirklich zur Tür hinaus.

Was die Zahlen zwischen den Zeilen sagen

Dass rund jeder Fünfte mit dem Gedanken spielt, ist mehr als eine Anekdote – es ist ein Stimmungsbild. Es erzählt von einer Gesellschaft, die sich neu sortiert: zwischen Sicherheit und Sehnsucht, zwischen Zugehörigkeit und Option. Und es macht sichtbar, wie stark „Zukunft“ inzwischen als persönliche Strategie gedacht wird.

In Gesprächen taucht oft ein Moment auf, in dem die Stimme leiser wird: „Ich will nicht weg, weil ich Deutschland hasse. Ich will weg, weil ich mir mein Leben wieder leichter vorstellen möchte.“ Das ist kein Paukenschlag, eher ein langsamer Riss. Einer, der sich durch Alltagsrechnungen, Wohnungsbesichtigungen und Newsfeeds zieht.

Wohin der Blick wandert

Wenn Menschen konkret werden, fallen Namen, die wie Schablonen für Wünsche wirken:

  • Dubai: Sicherheit, Steuerfreiheit und sehr gute Flugverbindungen nach Deutschland.
  • Schweiz: höhere Löhne, oft als „lohnend“ wahrgenommene Steuer- und Abgabenstruktur, Nähe zur Heimat.
  • Skandinavien: funktionierende Systeme, Vertrauen in Staat und Verwaltung, Familienfreundlichkeit.
  • Südeuropa: Klima, Alltagstempo, Lebensgefühl – manchmal kombiniert mit Remote-Arbeit.
  • Niederlande/Österreich: urban, international, mit vergleichbarer kultureller Nähe.

Natürlich ist jede dieser Projektionen angreifbar. Wer schon einmal versucht hat, in Zürich eine Wohnung zu finden oder in Barcelona ein Konto zu eröffnen, kennt die andere Seite. Aber als Bilder funktionieren sie – und Bilder sind mächtig. Sie ziehen.

Die leise Frage an Politik und Wirtschaft

Wenn viele Menschen gedanklich das Land verlassen, ist das auch eine Botschaft an diejenigen, die Rahmenbedingungen setzen: Arbeitgeber, Kommunen, Bundesregierung. Es geht um Vertrauen. Um das Gefühl, dass Leistung, Wohnen und Zukunft nicht zu einem Hindernisparcours werden. Für Unternehmen stellt sich die Frage nach Bindung: Was hält Talente? Für Städte die Frage nach Lebbarkeit: Was macht Ankommen und Bleiben attraktiv? Und für die Politik die Frage nach Glaubwürdigkeit im Alltag.

Denn Auswanderungsfantasien entstehen selten aus einer einzigen Nachricht. Sie wachsen aus Wiederholungen: noch eine Mieterhöhung, noch ein Formular, noch ein Gefühl von „es wird enger“. Und irgendwann sitzt man da, am Küchentisch, und sagt: „Vielleicht sollten wir es einfach machen.“

Dann wird der Koffer im Kopf plötzlich schwer.

Real Estate & Investment Relevance

Für Immobilien- und Kapitalanleger sind solche Stimmungsbilder mehr als Gesellschaftsprosa – sie berühren Nachfrage, Mietdynamik, Standortattraktivität und mittelbar auch Rendite- und Risikoannahmen. Wenn insbesondere mobile, gut ausgebildete jüngere Haushalte über Wegzug nachdenken, können sich regionale Märkte unterschiedlich entwickeln.

  • Nachfrageverschiebungen innerhalb Deutschlands: Wer nicht gleich auswandert, zieht oft erst einmal um – in wirtschaftsstarke Regionen, in Städte mit guter Infrastruktur oder ins Umland mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das kann Suburbanisierung und die Nachfrage in gut angebundenen Speckgürteln weiter stützen.
  • Wettbewerb um Talente als Standortfaktor: Kommunen mit schneller Verwaltung, guter Kinderbetreuung, ÖPNV, Sicherheit und moderner Digitalinfrastruktur wirken wie ein „Retention-Programm“ für Einwohner. Für Investoren erhöht das die Relevanz von ESG-nahen Standortindikatoren (Mobilität, soziale Infrastruktur, Energieeffizienz) als Preistreiber.
  • Mietmarkt: Stabilität vs. Abwanderungsrisiko: Sollte ein Teil der besonders nachgefragten, einkommensstarken Mietergruppen tatsächlich ins Ausland gehen, könnte das in einzelnen, bereits teuren Teilmärkten den Druck leicht mindern. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Selektionsprozess: Wegzug aus hochpreisigen Kernlagen, Zuzug in gut angebundene, preislich noch erreichbare Quartiere.
  • Internationaler Kapitalfluss: Mehr Auswanderung kann auch mehr grenzüberschreitende Vermögensentscheidungen bedeuten: Verkauf von Eigentum zur Finanzierung des Neustarts oder Umwandlung in Vermietung. Beides beeinflusst Angebot und Mietvolumen. Gleichzeitig bleibt Deutschland für viele internationale Investoren ein Sicherheitsmarkt – sofern Regulierung und Neubaupfad planbar bleiben.
  • Produktchancen: Zunehmende Mobilität stärkt Segmente wie möblierte Vermietung (rechtssicher umgesetzt), Serviced Apartments in A- und B-Städten, sowie energieeffiziente Bestandsimmobilien mit niedrigen Nebenkosten – denn wer „Lebensqualität“ sucht, reagiert sensibel auf Warmmieten.

Investoren-Fazit: Die Umfrage ist kein unmittelbarer Marktindikator wie Zins oder Bautätigkeit, aber ein wichtiger Frühfühler für Standortpsychologie. Wer heute in Wohnimmobilien investiert, sollte nicht nur Mikrolage und Rendite kalkulieren, sondern auch die Frage stellen: Warum wollen Menschen hier bleiben? Genau dort entstehen langfristig stabile Cashflows – und dort, wo diese Antwort ausbleibt, wächst das Risiko von Fluktuation, Leerstand und politischem Regulierungsdruck.