Gulfood Startups: Dubai baut Foodtech-Hub | Die Geissens Real Estate | Luxus Immobilien mit Carmen und Robert Geiss – Die Geissens in Dubai
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Gulfood 2026

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In Dubai riecht Innovation manchmal nach Kardamom, manchmal nach Edelstahl: Auf der Gulfood Startup-Plattform treffen junge Foodtech-Teams, internationale Investoren und Großabnehmer in einer Taktung aufeinander, die eher an eine Börse als an eine Messe erinnert. Das Ziel ist klar: aus Prototypen marktreife Lösungen machen – von smarter Lieferkette über alternative Proteine bis zu nachhaltiger Verpackung und Präzisionsfermentation. Während die VAE ihre Ernährungssicherheit und die lokale Produktion weiter hochfahren, positioniert sich Dubai als Bühne, auf der Ideen nicht nur ausgestellt, sondern in Pilotprojekte, Partnerschaften und Finanzierungsrunden übersetzt werden. Wer hier zuhört, merkt schnell: Es geht nicht nur um neue Produkte – es geht um Infrastruktur, Industrieflächen, Kühlketten, Labore und Kapital.

Der erste Eindruck ist nicht das Neonlicht. Es ist das Geräusch.

Ein leises, unaufhörliches Surren von Kühleinheiten mischt sich mit dem Klacken von Kaffeetassen, dem Rascheln von Visitenkarten – und diesem speziellen Messetonfall, wenn ein Pitch in der Luft hängt wie ein ungeduldiger Satz. Neben einer offenen Theke, an der ein Barista Espresso zieht, steht eine kleine Gruppe im Halbkreis. Eine Gründerin hält ein Glas hoch. „Nicht erschrecken“, sagt sie und lächelt. „Das ist… fermentiert.“

Willkommen auf der Gulfood Startup-Plattform in Dubai – einem Ort, an dem sich Essen wie Zukunft anfühlt. Hier ist Food nicht nur Genuss. Food ist Technologie. Food ist Strategie. Und manchmal ist Food auch ein Wettlauf gegen die Zeit: gegen steigende Kosten, gegen Lieferkettenbrüche, gegen Wasserknappheit, gegen den Druck, schneller und nachhaltiger zu produzieren.

Eine Messe, die wie ein Accelerator tickt

Gulfood ist traditionell eine der größten Food-&-Beverage-Veranstaltungen der Welt. Doch in den letzten Jahren hat sich ein eigenes Biotop darin gebildet: die Startup-Plattform. Sie wirkt wie ein Accelerator, der mitten in eine gigantische Handelsmesse gepflanzt wurde. Statt nur Stände und Produktproben gibt es hier Demo-Tische, Pitch-Slots, Mentorenrunden, spontane Verhandlungen am Rand und „Können wir das nächste Woche testen?“-Gespräche, die nicht nach Small Talk klingen, sondern nach Einkaufsbudget.

Man sieht Gründerinnen und Gründer mit müden Augen und hellwachen Stimmen. Auf Laptops laufen Dashboards, die zeigen, wie viel Energie eine Kühlkette spart, wenn Sensoren die Temperatur in Echtzeit steuern. Nebenan erklärt jemand, warum Verpackung nicht nur Müll ist, sondern Daten: Material, Barriere, Haltbarkeit, CO₂ – alles messbar, alles optimierbar.

Dubais Foodtech-Moment: Sicherheit trifft Skalierung

Dubai positioniert sich zunehmend als globaler Foodtech-Hub – und die Startup-Plattform ist das Schaufenster dieser Ambition. Der Treiber dahinter ist nicht allein Trendbewusstsein, sondern ein harter Realitätscheck: In einer Region, die historisch stark auf Importe angewiesen ist, werden Ernährungssicherheit und Resilienz zu wirtschaftspolitischen Kernfragen. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung, der Tourismus zieht an, und der Anspruch an Qualität und Vielfalt steigt.

In der Halle wirkt das abstrakte Wort „Resilienz“ plötzlich sehr konkret. Ein Gründer zeichnet mit dem Finger auf seinem Tablet eine Lieferroute nach. „Wenn dieser Korridor stockt“, sagt er, „sinkt die Verfügbarkeit binnen Tagen.“ Dann tippt er auf eine Alternative: lokale Produktion, regionale Lager, bessere Prognosen.

Die Stars: Alternativproteine, smarte Logistik, neue Zutaten

Wer über Foodtech spricht, landet schnell bei Alternativproteinen. Und ja: Auch hier ist das Thema präsent – nicht als Marketinggag, sondern als ernsthafte industrielle Frage. Wie lassen sich Proteine effizient herstellen? Wie schmecken sie? Was kostet die Skalierung? Und wie integriert man sie in bestehende Produktions- und Gastronomiesysteme?

Doch die Plattform ist breiter. Es geht ebenso um „unsichtbare“ Innovationen, die selten viral gehen, aber ganze Bilanzen drehen können: Kühlketten, Lagerhaltung, Waste-Reduction, Nachverfolgbarkeit, Wasser- und Energieeffizienz. Man merkt: Die nächste Revolution im Essen wird nicht nur auf dem Teller stattfinden, sondern in Hinterhöfen – in Fabriken, Kühlhäusern, Laboren, in Software-Stacks.

  • Supply-Chain-Tech: Sensorik, Tracking, Nachfrageprognosen, Temperatur-Compliance.
  • Food Manufacturing: Automatisierung, Qualitätskontrolle, energieeffiziente Prozesse.
  • Neue Ingredients: Fermentation, funktionale Zutaten, Clean-Label-Ansätze.
  • Nachhaltigkeit: Wasser- und Energieeinsparung, Kreislaufverpackungen, Waste-Management.
  • Retail & Foodservice: smarte Menüplanung, dynamische Beschaffung, digitale Standards.
„Wir brauchen Piloten, nicht Applaus“

Zwischen zwei Pitches sagt ein Investor, halb im Gehen: „Jeder kann eine Vision haben. Ich will sehen, ob sie in einer echten Küche funktioniert.“ Das ist der Ton. Die Plattform lebt von der unmittelbaren Nähe zu großen Abnehmern – Supermarktketten, Hotels, Caterern, Distributoren, Herstellern. Hier geht es nicht nur um Seed-Runden und schöne Folien. Es geht um Piloten.

Eine Szene bleibt hängen: Ein Einkäufer aus dem Foodservice nimmt einen Probenbeutel in die Hand, dreht ihn, liest die Zutaten. „Wie stabil ist das bei Hitze?“ fragt er. Der Gründer antwortet nicht mit Theorie, sondern mit einer Geschichte. „Wir haben es in einer Küche getestet, die mittags 400 Portionen rausjagt. Nach drei Stunden war die Textur noch gleich.“ Der Einkäufer nickt. „Okay. Schick mir die Specs.“ Ein Satz, der sich anfühlt wie eine Tür, die aufgeht.

Warum Dubai als Hub funktioniert

Ein Hub ist nicht nur ein Ort. Ein Hub ist ein System. Dubai bringt dafür eine besondere Mischung mit: internationale Handelslogistik, eine starke Messe- und Eventindustrie, Zugang zu Kapital, ambitionierte staatliche Programme rund um Innovation und Ernährungssicherheit – und ein Markt, der schnell testet. In vielen Städten dauert es Monate, bis ein Pilot startet. Hier kann es, mit dem richtigen Partner, deutlich schneller gehen.

Dazu kommt die Region als Ganzes: Der Golf ist ein Import- und Verteilzentrum für Lebensmittel. Wer in Dubai einen skalierbaren Prozess aufsetzt, kann nicht nur die lokale Nachfrage bedienen, sondern sich als Plattform für angrenzende Märkte etablieren – vorausgesetzt, das Produkt ist robust, regulatorisch sauber und industriell machbar.

Die unsichtbare Infrastruktur: Kühlung, Labore, Produktionsflächen

Das Spannende: Je länger man sich auf der Plattform bewegt, desto weniger geht es um das einzelne Startup – und desto mehr um die Infrastruktur, die es braucht, um die Ideen zu tragen. Alternative Proteine brauchen Produktionskapazitäten. Fermentation braucht Bioreaktoren, Reinräume, QA-Standards. Smarte Logistik braucht Kühlhäuser, Umschlagflächen, digitale Schnittstellen. Nachhaltige Verpackung braucht Anlagen, die Materialqualität konstant liefern.

Die Gespräche kippen deshalb oft von „Was ist euer Produkt?“ zu „Wo wollt ihr produzieren?“ und „Wie sieht euer Scale-Plan aus?“ Und plötzlich ist man mitten in einer Debatte über Industrieparks, Food-Grade-Lager und Last-Mile-Kühlung.

Ein Gründer lacht, als er sein Wunschprofil beschreibt: „Wir brauchen keinen fancy Standort. Wir brauchen Strom, Wasser, Genehmigungen – und Platz.“ Dann wird er ernst. „Und wir brauchen ihn schnell.“

Wettbewerb der Städte: Wer baut die bessere Food-Zukunft?

Foodtech ist längst ein Standortwettbewerb. Städte und Regionen buhlen um Talente, IP, Pilotkunden und Produktionsketten. Dubais Strategie wirkt dabei pragmatisch: Sichtbarkeit über Großevents wie Gulfood, Vernetzung über Plattformen, und ein Umfeld, das internationale Teams anzieht. Die Startup-Plattform ist der Ort, an dem diese Elemente zusammenlaufen – wie in einem Schmelztiegel, der gleichzeitig Marktplatz ist.

Man kann das beinahe körperlich spüren: das Tempo, die Neugier, die Lust am Machen. Und auch die Nervosität. Denn die Regeln sind hart. Lebensmittel sind reguliert. Produktionsfehler sind teuer. Konsumenten verzeihen nicht alles. Aber genau deshalb ist der Ort so spannend: Hier wird ausprobiert, verhandelt, verworfen – und manchmal trifft eine Idee einen Nerv.

Was als Nächstes zählt: Skalierung, Standards, Vertrauen

Am späten Nachmittag sind die Stimmen heiserer. Die Tüten mit Broschüren schwerer. Und doch wirken viele Gespräche erst jetzt wirklich konkret. „Wir sehen uns nächste Woche“, sagt jemand. „Schick mir die Daten.“ „Wir können das in einem Store testen.“ „Unser QA-Team will die Anlage besichtigen.“

Das sind die Sätze, die aus einer Messe eine Industriegeschichte machen. Denn Foodtech gewinnt nicht durch die lauteste Behauptung, sondern durch Standards, Verlässlichkeit und Skalierbarkeit. Die Gulfood Startup-Plattform ist in diesem Sinne weniger ein Showroom als ein Prüfstand – und Dubai will, dass genau hier die nächste Generation von Food-Unternehmen den Sprung schafft.

Real Estate & Investment Relevance

Für Immobilien- und Kapitalmarktakteure ist Dubais Foodtech-Schub kein „Nice-to-have“-Trend, sondern ein Nachfragetreiber für spezialisierte Gewerbeimmobilien – mit klaren Subsegmenten, die sich anders verhalten als klassisches Lager oder Standard-Industrie.

  • Cold Storage & Kühlketten-Logistik: Mehr Innovation in Lieferketten bedeutet mehr Bedarf an temperaturgeführten Flächen (Chiller/Freezer), Cross-Dock-Stationen und urbanen Micro-Fulfillment-Knoten. Diese Assets sind kapitalintensiv, aber oft durch langfristige Betreiberverträge und hohe Wechselkosten geprägt.
  • Food-Grade Warehousing: Startups, die in Pilot- und Skalierungsphasen gehen, brauchen HACCP-taugliche Lager, Schädlingsschutz, spezielle Bodenbeschichtungen, hygienische Andienung und klare Prozesszonen. Bestandsobjekte lassen sich nicht immer günstig nachrüsten – was Neubau- und Refurbishment-Chancen eröffnet.
  • Light Industrial & Produktionslofts: Fermentation, neue Ingredients, Packaging-Tech und Automatisierung erzeugen Nachfrage nach flexiblen „Plug-and-Play“-Industrieeinheiten mit hoher Stromlast, Wasseranschlüssen, Abwasserlösungen, Lüftung/Filtration und guter Logistikanbindung.
  • Labore & R&D-Flächen: Der Weg vom Prototyp zur Zulassung braucht Testküchen, QC/QA, Analytik und teils Reinraum-nahe Setups. In vielen Märkten ist Lab-Real-Estate knapp; wer in Dubai früh standardisierte R&D-Module anbietet, positioniert sich in einer wachsenden Nische.
  • Mixed-Use Innovation Districts: Plattformen wie Gulfood beschleunigen Clusterbildung. Wo sich Talente, Investoren und Pilotkunden ballen, steigen die Chancen für Innovationsquartiere mit Büros, Showkitchens, Co-Manufacturing, Eventflächen und Serviced Apartments für internationale Teams.

Investment-Implikation: Reine „Fläche“ wird weniger gefragt sein als funktionale Fläche. Investoren können von einer Strategie profitieren, die auf (1) speziellem technischen Ausbau (MEP), (2) Betreiberqualität, (3) Nähe zu Verkehrskorridoren und Häfen/Flughäfen sowie (4) Skalierungsfähigkeit der Mieter setzt. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von ESG: energieeffiziente Kühlung, PV-Integration, Wärmerückgewinnung und Wassermanagement werden zu echten Werttreibern – nicht nur zu Marketingpunkten.

Fazit für Dubai: Wenn die Stadt ihre Rolle als Foodtech-Hub weiter ausbaut, wird sich das besonders in Logistik- und Industrie-Teilmärkten zeigen: moderne, spezialisierte Flächen dürften eine strukturell stärkere Nachfrage sehen als generische Warehouses. Wer heute die richtigen Standorte und Spezifikationen trifft, sitzt morgen dort, wo aus Ideen Lieferverträge werden.