Draußen flirrt die Hitze über den Sand, drinnen rauscht nur leise die Klimaanlage, während zarte Dattelpalmen unter kaltem LED-Licht glänzen. In einem Gewächshaus am Rand Dubais simulieren Forscher eine fremde Welt und stellen eine fast kühne Frage: Kann der Baum, der die arabische Wüste bewohnbar gemacht hat, eines Tages auch den Mars grüner machen? Die Raumfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate arbeitet dafür mit Agrar-Experten zusammen und prüft, wie robust die Palme in extremen, marsnahen Bedingungen wirklich ist. Was nach Science-Fiction klingt, ist Teil einer sehr realen Strategie: Nahrungssicherheit im All, technologische Sprünge im eigenen Land – und ein Stück kulturelle Identität, das mit den ersten Siedlern den Planeten wechselt.
Es riecht nach feuchter Erde und Metall. Die Sonne brennt draußen über dem Wüstenrand von Dubai, doch hier im versiegelten Gewächshaus liegt ein kühles, künstliches Dämmerlicht. In einer Reihe stehen junge Dattelpalmen, ihre Wedel zittern kaum merklich im Luftzug der Ventilatoren.
Eine Forscherin beugt sich über einen Setzling, tippt sanft an den Stamm und sagt leise: Wir trainieren diese Palme für den Mars.
Der Satz hängt einen Moment in der Luft. Dann wird klar: Genau darum geht es. Die VAE testen, ob der uralte Wüstenbaum, der Oasen zu Siedlungen gemacht hat, eines Tages auch auf dem Roten Planeten wachsen kann.
Seit Jahrtausenden ist die Dattelpalme das Rückgrat des Lebens auf der Arabischen Halbinsel. Sie spendet Schatten, liefert süße Früchte, Holz, Fasern – und war oft der einzige Grund, warum Menschen an einem Ort bleiben konnten.
Parallel zum Aufbruch ins All, mit der Mars-Sonde Hope und der langfristigen Vision Mars 2117, wächst nun eine neue Idee: Wenn Palmen eine Wüste bewohnbar machen konnten, schaffen sie das vielleicht auch auf einem Planeten, der noch unwirtlicher ist als jede Sandfläche zwischen Abu Dhabi und Al Ain.
Für die Raumfahrt-Strategen ist das Thema hoch konkret. Wer irgendwann dauerhaft auf dem Mars leben will, braucht mehr als Hightech und Raketen. Er braucht verlässliche, robuste Pflanzen, die wenig Wasser benötigen, viele Kalorien liefern und extreme Bedingungen aushalten. Die Dattelpalme ist dafür ein logischer Kandidat.
Im Inneren des Forschungsdoms zählt jedes Grad, jede Minute Licht, jeder Tropfen Wasser. Sensoren hängen wie kleine silberne Spinnen über den Pflanzen und schicken in Sekundentakt Messdaten an Tablets und Server.
Statt dunkler, fruchtbarer Erde füllen die Kübel ein helles, kantiges Substrat, das eher an Bauschutt erinnert. Die Mischung wurde so gewählt, dass sie sich wie Mars-Regolith verhält: nährstoffarm, mineralisch, schwierig. Die Palme soll kämpfen müssen.
Wir drehen hier bewusst an allen Schrauben, erklärt ein Agronom und wischt mit dem Finger über eine Kurve auf seinem Bildschirm. Weniger Wasser, mehr Salz, größere Temperatursprünge. Wir wollen wissen: Wo ist die Grenze der Dattelpalme?
Über den Köpfen brennen LED-Paneele, deren Licht sich eher nach Energieeffizienz als nach Romantik richtet. Auf dem Mars wird jeder Wattstundenplaner wichtiger sein als der Sonnenuntergang.
Die romantische Vorstellung einer Palme im rötlichen Staub täuscht leicht darüber hinweg, wie extrem der Mars wirklich ist. Wer dort etwas wachsen lassen will, muss mit einer langen Liste an Problemen umgehen:
Deshalb steht hinter dem Palmen-Projekt ein Netzwerk aus Partnern: die Raumfahrtbehörde der VAE, Institute für Wüstenlandwirtschaft, internationale Hochschulen. Getestet werden verschiedene Substratmischungen, Bewässerungsstrategien und sogar hydroponische Systeme, in denen die Palmwurzeln ganz ohne Erde in Nährlösung hängen.
Ein zentrales Thema ist die geschlossene Kreislaufwirtschaft. Auf dem Mars darf kein Tropfen Wasser verloren gehen. In den Modellen der Forscher zirkuliert es wie Blut durch ein künstliches Organismus-System: Kondenswasser wird aufgefangen, Nährstoffe recycelt, Abfälle zu neuem Dünger.
Schon jetzt fließen Ergebnisse aus den Mars-Simulationen zurück auf die Felder der Emirate. Algorithmen, die ursprünglich für Weltraum-Gewächshäuser geschrieben wurden, steuern heute Bewässerungsanlagen in Pilotfarmen und sparen dort Tausende Liter Wasser.
Warum ausgerechnet die Dattelpalme, und nicht Tomaten oder Salat? Wer mit den Ingenieuren und Biologen spricht, merkt schnell: Es geht nicht nur um Botanik.
Eine junge Emirati-Ingenieurin zeigt ein vergilbtes Foto ihres Großvaters, der in einer üppigen Palmenoase sitzt. Diese Bäume haben uns durchhungern lassen, sagt sie. Wenn eines Tages jemand aus meiner Familie auf dem Mars steht, soll dort auch eine Palme sein.
In den VAE ist die Palme Erinnerungsanker, Stolz und Überlebenssymbol zugleich. Sie auf einem anderen Planeten zu pflanzen, wäre ein starkes Zeichen: Wir gehen nicht nur als anonyme Raumfahrer hinaus, sondern als Menschen mit Geschichte.
Gleichzeitig denken Psychologen mit. Langfristiges Leben im All bedeutet: Metallwände, enge Räume, recycelte Luft. Eine kleine Oase aus echten Pflanzen, Rascheln im Wind der Lüfter, der Duft von Erde – all das kann über das Wohlbefinden ganzer Crews entscheiden.
Noch ist keine Dattelpalme reif für den Start zum Mars. Was aber schon reift, sind Konzepte, wie man unter Extrembedingungen lebenswerte Räume schafft. Und genau hier berühren sich Raumfahrtforschung und Immobilienwelt sehr direkt.
Zukünftige Mars-Habitate sind nichts anderes als radikale Immobilienprojekte: geschlossene Quartiere, in denen Wohnen, Arbeiten, Energie und Nahrung auf engstem Raum zusammenkommen. Jeder Kubikmeter wird durchgeplant, jede Ressource mehrfach genutzt.
Viele dieser Ideen wandern bereits zurück in die Masterpläne neuer Stadtviertel in Dubai und Abu Dhabi. Wohnanlagen mit integrierten Gewächshäusern, vertikale Farmen in Hochhäusern, Gebäude, die Wasser in eigenen Kreisläufen reinigen und wiederverwenden – was im Weltraumlabor getestet wird, kommt auf der Erde als Premium-Feature in nachhaltigen Quartieren an.
Für Investoren entsteht daraus eine klare Botschaft: Die Städte, die lernen, unter extremen Bedingungen komfortabel zu funktionieren, haben die besten Chancen, langfristig attraktiv und wertstabil zu bleiben. Die Mars-Palme ist damit nicht nur ein Symbol für Pioniergeist, sondern auch ein stiller Hinweis darauf, wie sich Wertschöpfung und Wertbeständigkeit im Immobilienmarkt der VAE verändern werden.