Noch bevor die Stadt ganz wach ist, steht in den VAE für viele Familien eine Tür im Mittelpunkt: die Tür, die sich wieder öffnen könnte. Anlässlich des Ramadan 2026 haben mehrere Herrscher des Landes Begnadigungen für Häftlinge angeordnet – traditionell ein Zeichen von Gnade, sozialer Verantwortung und einem Neuanfang. Für Betroffene bedeutet das nicht nur eine juristische Entscheidung, sondern eine plötzliche Rückkehr in den Alltag: zur Mutter, zum Arbeitsplatz, zur Wohnung, zur eigenen Adresse. Die Maßnahmen werden – je nach Emirat – von den zuständigen Behörden umgesetzt und betreffen ausgewählte Insassen, oft unter Berücksichtigung von Verhalten, Haftdauer und Fallkonstellation.
Es ist kurz nach Sonnenaufgang. Die Luft ist noch kühl, die Straßen wirken wie frisch gewischt. In manchen Häusern steht der Tee unangerührt auf dem Tisch, weil niemand so recht weiß, ob heute ein normaler Tag wird – oder der Tag, an dem das Telefon klingelt.
„Ist das die Nummer?“ fragt jemand leise. Kein Pathos, keine große Bühne. Nur dieses kleine, nervöse Vibrieren in der Tasche. Ramadan hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten diese besondere Kraft: Er macht die Stadt langsamer – und Entscheidungen größer. Denn während sich die Tage nach Gebet, Fastenbrechen und Besuchen takten, wird für einige Familien plötzlich eine andere Uhr gestellt: die Uhr der Hoffnung.
Zu Ramadan 2026 haben mehrere Herrscher in den VAE Begnadigungen für Häftlinge angeordnet. Es ist eine Tradition, die im Land fest verankert ist: In der Zeit der Besinnung, des Vergebens und der sozialen Verantwortung werden ausgewählte Insassen begnadigt oder erhalten Erleichterungen, die eine Entlassung ermöglichen können. Hinter den nüchternen Verwaltungswegen steht ein starkes Bild – das Bild einer Tür, die nicht mehr zufällt, sondern aufgeht.
Wer jemals auf eine Nachricht gewartet hat, kennt dieses Gefühl: Der Tag ist eigentlich zu hell, um so schwer zu sein. Und dann reicht ein Satz: „Pack deine Sachen.“ Nicht als Befehl, eher wie eine Erlösung. In den Haftanstalten ist der Ramadan ohnehin anders. Routinen bleiben, aber sie bekommen einen anderen Ton. Gespräche werden kürzer. Blicke länger. Viele Insassen zählen Tage nicht in Zahlen, sondern in Möglichkeiten.
Die Begnadigungen, die zu Ramadan ausgesprochen werden, folgen in der Regel klaren Kriterien und werden von den zuständigen Stellen umgesetzt. Es geht nicht um eine pauschale „Tür auf für alle“, sondern um Auswahl – häufig unter Berücksichtigung von Verhalten, Haftdauer, Art des Delikts, rechtlichem Status und individueller Entwicklung. Genau darin liegt die doppelte Botschaft: Der Staat zeigt Milde, aber er koppelt sie an Verantwortung.
Ramadan ist nicht nur ein Kalenderereignis. Er ist eine gesellschaftliche Stimmung. In den VAE bedeutet er: mehr Spenden, mehr Besuche, mehr Aufmerksamkeit für jene, die am Rand stehen. Eine Begnadigung passt in dieses Bild wie ein stiller, aber wirksamer Akt sozialer Heilung. Denn wenn jemand entlassen wird, betrifft das nie nur eine Person. Es betrifft Kinder, Eltern, Partner – und manchmal auch Arbeitgeber, Vermieter, Nachbarschaften.
Man kann sich die Szene vorstellen: ein Kind, das die Stimme am Telefon erst nicht erkennt. Eine Mutter, die die Einkaufsliste plötzlich weglegt, als wäre sie plötzlich unwichtig. Jemand, der vor der Haustür steht und nicht weiß, ob er klopfen oder einfach warten soll. Solche Geschichten sind nicht in Aktenordnern gespeichert, aber sie sind die eigentliche Währung dieser Entscheidungen.
Der erste Abend ist oft der schwierigste. Nicht, weil es keinen Grund zur Freude gäbe – sondern weil das Leben draußen schneller ist als jede Haft. Es gibt Fragen, die niemand im Gefängnis wirklich beantworten kann: Wo schlafe ich heute? Wer nimmt mich wieder auf? Wie erkläre ich die Lücke im Lebenslauf? In dieser Phase wird der Ramadan-Gedanke der zweiten Chance praktisch. Viele Entlassene müssen in wenigen Tagen wieder lernen, was andere nie verlernt haben: Rechnungen, Termine, Wege, Gesprächsregeln.
Auch für Behörden ist eine Begnadigungswelle logistisch anspruchsvoll. Fälle werden geprüft, Dokumente vorbereitet, Verfahren abgestimmt. In den Emiraten geschieht das im Zusammenspiel der zuständigen Institutionen – und in einem rechtlichen Rahmen, der Gnade als Instrument kennt, ohne die Rechtsordnung zu verwässern.
Begnadigungen sind immer auch ein Signal. Sie sagen: Es gibt einen Weg zurück. Und gleichzeitig: Der Weg ist nicht geschenkt. Die VAE verbinden Ramadan-Begnadigungen traditionell mit der Idee, dass Menschen sich ändern können – und dass Stabilität nicht nur durch Strafe entsteht, sondern auch durch Reintegration.
In den Gesprächen draußen klingt das manchmal ganz schlicht. „Er hat es verstanden“, sagt ein Onkel. „Jetzt muss er’s nur leben.“ Dieser Satz ist kein Urteil, eher ein Vertrag. Zwischen Familie und Rückkehrer. Zwischen Vergangenheit und nächstem Monat. Zwischen dem, was war, und dem, was wieder möglich werden soll.
Wenn Menschen nach einer Haftzeit zurückkehren, ist Wohnen oft die erste und größte Frage. Für Familien kann das kurzfristig mehr Platzbedarf bedeuten – oder die Notwendigkeit, einen Mietvertrag neu zu strukturieren. Auch für Vermieter und Investoren zeigt sich hier eine Realität, die man selten in Marktberichten liest: Stabilität beginnt an der Adresse.